Wer wir sind – Kurt & Kati
Ein „Über uns“ zu schreiben, empfinde ich als schwieriger als über irgendein anderes Thema zu schreiben.
Was schreibt man da?
„Wir sind Kurt und Kati und seit über 25 Jahren ein Paar.“
Das stimmt zwar. Aber irgendwie klingt das auch ziemlich öde.
Vielleicht erzähle ich stattdessen einfach, wo du hier gelandet bist.
Das hier ist Rollator reist mit.
Und das ist – wie eigentlich alles, was uns betrifft – ein kleines bisschen verrückt.
Wir haben uns vor über 25 Jahren kennengelernt. Ich möchte bis heute behaupten, dass das Schicksal an diesem Tag einfach sehr grosse Langeweile hatte. Weshalb sonst bringt es einen Schweizer mit einer 15 Jahre jüngeren Deutschen zusammen, die über 400 Kilometer voneinander entfernt in zwei verschiedenen Ländern wohnen?
Irgendwie hat es trotzdem funktioniert.
Oder vielleicht gerade deshalb.
Seitdem gehen wir gemeinsam durchs Leben.
Mal vernünftig.
Mal völlig verrückt.
Meistens irgendwo dazwischen.
Wenn wir heute zurückschauen, fällt uns auf, dass wir viele wichtige Entscheidungen in unserem Leben erstaunlich schnell getroffen haben.
Nicht kopflos.
Aber oft mit dem gleichen oder ähnlichen Gedanken – zur gleichen Zeit.
Während andere vielleicht wochenlang Pro- und Contra-Listen schreiben, schauen wir uns an und denken beide: „Warum eigentlich nicht?“
Die eigentlichen Fragen kommen bei uns meistens erst danach.
Nicht: Ob wir etwas machen.
Sondern: Wie wir es möglich machen.
Vielleicht ist genau das das Geheimnis unserer Beziehung.
Ich bin neugierig.
Ich liebe es, neue Orte zu entdecken und herauszufinden, wie Dinge funktionieren.
Kurt ist der ruhige Teil von uns beiden.
Er liebt die Natur, Technik und alles, was mit dem Unterwegssein zu tun hat.
Ich neige dazu, Fragen zu stellen – viel zu viele Fragen, die oftmals viel zu früh schon viel zu sehr ins Detail gehen.
Kurt sucht nach Lösungen. Für ihn gibt es praktisch kein Problem, für das sich nicht irgendeine Lösung finden lässt – wenn man nur lange genug danach sucht.
Unser Lebensplan A
Eigentlich war unser Leben längst geplant.
Ich übernehme ganz klassisch die Kinderbetreuung und den Haushalt, während Kurt arbeiten geht.
Die Kinder werden erwachsen und gehen ihren eigenen Weg.
Ich beginne wieder zu arbeiten und verwirkliche mich beruflich.
Kurt wird pensioniert und übernimmt einen Teil des Haushalts.
Mit unserem Altersunterschied von 15 Jahren hätte dieser Plan perfekt funktioniert.
Nur wie sang John Lennon so treffend:
“Life is what happens to you while you’re busy making other plans.”
Während wir planten, entschied mein Körper ganz trocken:
„Nope.“
Stattdessen gab es eine Diagnose.
Multiple Sklerose.
Damit leben wir inzwischen schon einige Jahre.
Ich schreibe bewusst wir, denn auch wenn die MS in meinem Körper steckt, betrifft sie unser gemeinsames Leben.
Sie verändert Entscheidungen.
Sie verändert Reisen.
Sie verändert ganz normale Tage.
Trotzdem hat sie uns eines nie genommen:
Unsere Freude am Unterwegssein.
Wir waren schon immer viel unterwegs.
Heute reisen wir anders.
Bedachter.
Langsamer.
Mehr an meinen Körper angepasst.
Aber mit derselben Lust, Neues zu entdecken.
Lebensplan B
Als unsere Kinder langsam flügge wurden, war für uns klar, dass wir unser Haus irgendwann verkaufen würden. Das war schon lange der Plan. Je näher der Zeitpunkt kam, dass auch unser jüngster Spross das Nest verlassen würde, desto konkreter wurde es.
Nur was danach?
In eine kleinere Wohnung ziehen.
Und dann?
Warten? Warten, worauf eigentlich?
Nach über fünf Jahrzehnten Arbeit – mit wie ich finde einem 120 % Pensum – hätte Kurt vermutlich wieder irgendetwas „nebenbei“ gearbeitet. Aus Langeweile und weil Nichtstun irgendwie nicht wirklich sein Konzept ist.
Ich hätte keine Ahnung was gemacht. Zu Hause versauern? Warten?
Und irgendwann hätten wir uns gefragt, ob das wirklich alles gewesen sein soll.
Auf einem Kurztrip nach Slowenien kam dann plötzlich dieser eine Gedanke.
„Was wäre eigentlich, wenn wir das Haus wie geplant verkaufen, uns ein Wohnmobil kaufen und die Welt bereisen?“
Wir wissen bis heute nicht mehr, wer den Satz als Erstes ausgesprochen hat.
Das spielt auch gar keine Rolle.
Denn wir dachten beide sofort dasselbe.
Warum eigentlich nicht?
Die Idee war geboren.
Die Fragen kamen erst später.
Funktioniert das auch mit MS?
Was mache ich mit meinen Medikamenten?
Wohnwagen, Wohnmobil oder doch etwas ganz anderes?
Kann ich mit meiner Vibrationsempfindlichkeit überhaupt in einem Wohnmobil mitfahren?
Wie komme ich ins Bett, wenn es ein Wohnmobil ist?
Wo kann ich mich zurückziehen, wenn ich einen miesen Tag mit einem hohen Fatigue-/Schmerzlevel habe?
Wie funktioniert das alles?
Fragen über Fragen für die wir 2.5 Jahre Zeit und sehr viel Motivation haben sie zu klären.
Wir werden für jedes einzelne Problem eine Lösung finden, um diesen Traum leben zu können.
Nur kurze Zeit später entstand die Idee zu „Rollator reist mit“.
Nicht, weil wir einen klassischen Reiseblog schreiben wollten.
Sondern weil wir ein Medium suchten unsere Familie und Freunde auf unsere Reise mitnehmen zu können, weil ich/wir all die gemeinsamen Eindrücke irgendwie verarbeiten können müssen, weil ich gern kreativ bin und weil wir plötzlich den Gedanken hatten, dass wir mit unserer Geschichte vielleicht anderen Menschen in ähnlichen Situationen wie der unseren Mut machen können. Das wir zeigen können, dass Hilfsmittel Hilfsmittel heissen, weil sie dabei helfen sollen ein möglichst selbstbestimmtes Leben trotz Einschränkung führen zu können.
Genau darum geht es hier.
Wir erzählen von schönen Orten.
Von gelungenen Reisen.
Von falschen Entscheidungen.
Von neuen Ideen.
Von Rückschlägen.
Von Lösungen.
Von meinem Körper.
Von Kurts Pensionierung.
Und davon, wie zwei Menschen versuchen, ihren Traum Stück für Stück Wirklichkeit werden zu lassen.
Ehrlich.
Ohne etwas zu beschönigen.
Denn wir glauben, dass die schönsten Geschichten nicht dort beginnen, wo schon alles fertig ist.
Sondern dort, wo jemand den Mut hat, einen neuen Weg einzuschlagen.
Bei uns reist der Rollator mit.
Nicht, weil er unser Leben kleiner macht.
Sondern weil die Welt da draussen – trotz Rollator – noch unglaublich viel für uns bereithält.
Schön, dass du hier bist.
Wir freuen uns, wenn du uns auf diesem Weg begleitest.
